Warum Weisheitszähne Probleme machen
Früher waren die Kiefer der Menschen länger und grösser, und die Weisheitszähne fanden ohne Schwierigkeiten Platz. Im Lauf der Evolution wurden die Kiefer kleiner, die Zahl der Zähne blieb gleich. Weil die Weisheitszähne als letzte wachsen, fehlt ihnen oft der Platz – die anderen Zähne können sich verschieben. Gerade stehende Zähne werden optimal belastet und halten am längsten.
Wann sollten sie entfernt werden?
Dringend empfohlen ist die Entfernung, wenn:
- der Kiefer keinen Platz für die Weisheitszähne hat;
- ein Weisheitszahn nur teilweise durchbricht und eine Zahnfleischkapuze ihn bedeckt – dort setzen sich Speisereste fest, die sich kaum wegputzen lassen; das führt zu einer schmerzhaften Entzündung (Schlupfwinkelinfektion) oder Karies;
- die unteren Weisheitszähne auf die hinteren Backenzähne drücken und sich dadurch die unteren Schneidezähne verschieben;
- ein Weisheitszahn Karies hat, die unbemerkt auf den gesunden Nachbarzahn übergreifen kann;
- der Wachstumsdruck den Nachbarzahn aufzulösen droht;
- sich das Zahnsäckchen, das jeden Zahn vor dem Durchbruch umhüllt, im Kiefer zu einer Zyste umwandelt, die schmerzlos den Knochen abbaut und Nachbarzähne gefährdet.
Vorsorglich entfernen
Vorsorglich raten wir zur Entfernung, wenn der Gegenzahn fehlt – ohne Gegenspieler verliert der Zahn seine Funktion und kann Karies oder Entzündungen entwickeln. Ebenso, wenn Weisheitszähne im Knochen liegen: Mit dem Alter können sie etwa über Zahnfleischtaschen Kontakt zur Mundhöhle bekommen, und weil sie schwer erreichbar sind, ist die Gefahr starker Entzündungen hoch.
Der beste Zeitpunkt liegt zwischen 14 und 20 Jahren – nicht zu früh und nicht zu spät. Vorher sind die Weisheitszähne meist noch nicht richtig ausgebildet. Danach sind die Wurzeln fertig gewachsen, liegen oft nah am Unterkiefernerv und verwachsen zunehmend mit dem Knochen. Wie bei einer Pflanze: Eine kleine lässt sich leichter ausgraben als ein Baum mit kräftigen Wurzeln.


Ablauf
- Vorbesprechung: Wir klären Ihre Fragen und Bedenken und beurteilen auf dem Röntgenbild Lage, Wurzelform und Nähe zu Nerven und Kieferhöhle, wenn nötig mit einer 3D-Aufnahme (DVT).
- Betäubung: meist örtlich; alternativ Lachgas oder Vollnarkose, besonders bei Zahnarztangst.
- Freilegen: Wir lösen das Zahnfleisch über dem Zahn und tragen bei einem im Kiefer liegenden Zahn den bedeckenden Knochen mit einer feinen chirurgischen Fräse ab.
- Entfernen: Der Zahn wird je nach Lage und Form als Ganzes oder in Stücken entfernt. Durchgebrochene Weisheitszähne lassen sich oft wie normale Zähne mit der Zange ziehen.
- Wundverschluss und Kontrolle: Wir vernähen die Wunde sorgfältig und kontrollieren die Heilung.
Betäubung, Dauer und Nähte
Bei örtlicher Betäubung mit einer sehr feinen Kanüle spüren Sie während des Eingriffs keine Schmerzen, nur ein leichtes, gut erträgliches Druckgefühl. Für die Vollnarkose arbeiten wir seit vielen Jahren mit einem erfahrenen Anästhesisten-Team, das während der ganzen Operation anwesend ist. 6 Stunden vorher dürfen Sie nichts mehr essen. Sie spüren nur den kleinen Zugang in der Armbeuge; danach bleiben Lippe, Zunge und Wange einige Stunden leicht taub, bis die erste Schmerztablette zu Hause wirkt.
Je nach Schwierigkeit dauert der Eingriff 20–60 Minuten. Die Zähne können einzeln oder seitenweise im Abstand von einigen Wochen entfernt werden – das entlastet und schränkt das Kauen weniger ein. Wir verwenden vorwiegend selbstauflösendes Nahtmaterial, sodass das Fädenziehen meist entfällt. In der Regel genügt ein Kontrolltermin innerhalb von drei Tagen, weitere nur bei Bedarf.
Nach dem Eingriff
Die Wunde verheilt meist innerhalb von etwa sieben Tagen. Wir schreiben Sie bis zu sieben Tage krank, bei Bedarf länger. Legen Sie Kühlpacks bereit, organisieren Sie eine Begleitperson oder ein Taxi und planen Sie Zeit zur Erholung ein.
- Kühlen: Kühlpacks lindern Schwellung und Schmerzen.
- Sport: Verzichten Sie mindestens 3–7 Tage auf Sport und schwere körperliche Arbeit.
- Essen: in den ersten Tagen weiche, leicht zu kauende Kost.
- Trinken: kein Alkohol, kein Koffein, nichts Heisses.
- Zahnpflege: Nach etwa 24 Stunden die übrigen Zähne wieder putzen, die Wunde aber aussparen. Sanftes Spülen mit kühlem Wasser oder einer Chlorhexidin-Lösung kann helfen.
