Schnarchen oder Schlafapnoe?
Die Schnarchschiene, auch Protrusionsschiene genannt, eignet sich bei Zungengrundschnarchen – sowohl bei «gesundem» Schnarchen als auch bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe. Sie hält die Atemwege im Schlaf offen, verbessert die Sauerstoffzufuhr und reduziert das Schnarchen.
Kommen zum Schnarchen nächtliche Atemaussetzer hinzu, spricht man von Schlafapnoe. Atemstillstände von mehr als 10 Sekunden versorgen Kreislauf und Gehirn mit weniger Sauerstoff und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine professionelle Abklärung auf ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom ist dann unbedingt erforderlich.
Ursachen
Schnarchen hat äussere (exogene) und innere (endogene) Ursachen. Die äusseren können Sie zum Teil selbst beeinflussen: In Rückenlage sinkt die Zunge durch die Schwerkraft in den Rachen; Schlaftabletten und Alkohol entspannen die gesamte Muskulatur zu stark; Rauchen reizt die Schleimhäute in Mund und Rachen, die anschwellen können. Zu den körpereigenen und anatomischen Ursachen zählen:
Mit dem Alter nimmt das Schnarchen bei Männern und Frauen zu. Ab dem 60. Lebensjahr sind 60% der Männer und 40% der Frauen betroffen. Bei Frauen sinkt in den Wechseljahren die Östrogenproduktion, die Muskeln entlang der Atemwege erschlaffen und das Gewebe wird trockener.
- Übergewicht, das die Atemwege verengt
- Geschwollene oder gereizte Nasenschleimhäute, etwa durch Heuschnupfen oder Hausstauballergie
- Verbogene oder verkrümmte Nasenscheidewand
- Mundatmung
- Vergrösserte Mandeln und Nasenpolypen
- Kieferfehlstellungen
- Tiefliegende Zunge
Wie die Schnarchschiene wirkt
Schnarchen entsteht, wenn Weichgewebe und Muskulatur die Atemwege teilweise verschliessen und der weiche Gaumen zu vibrieren beginnt. Die Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS) ist die von Zahnärzten am häufigsten empfohlene Lösung; ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt. Sie wird im Schlaf über den oberen und unteren Zähnen getragen und verlagert den Unterkiefer gegenüber dem Oberkiefer nach vorne. In der Regel genügen etwa 8–10 mm, um die Atemwege offen zu halten; weitere Anpassungen nehmen wir bei Bedarf vor.
Die Behandlung ist schmerzfrei und nicht invasiv und eignet sich daher auch für Angstpatienten. Die Schiene wird anhand hochpräziser Abdrücke exakt an Ihren Mund und Ihre Zähne angepasst; vorhandenen Zahnersatz berücksichtigt das zahntechnische Labor, so werden Fehlbisse vermieden.


Monoblock oder Biblock
Eine Protrusionsschiene besteht aus zwei Schienen für Ober- und Unterkiefer, die starr oder flexibel durch Bänder oder Schrauben verbunden sind.
Monoblock-Schienen bestehen aus einem einzigen Teil. Sie sind einfach einzusetzen und zu tragen und eignen sich besonders für Erstanwender. Der Grad der Vorverlagerung lässt sich aber nachträglich nicht ändern, und es gibt keinen Bewegungsspielraum – für eine dauerhafte Nutzung ist das vielen zu wenig.
Biblock-Schienen sind durch flexible Gelenke, elastische Bänder, Kunststoffriemen oder Schraubverbindungen aus Metall verbunden, die sich anpassen oder lockern lassen. Abstand und Vorverlagerung werden individuell eingestellt, nur die Bewegung nach vorne und hinten ist eingeschränkt. Die seitliche Bewegungsfreiheit hält den Kiefer auch bei langem Tragen entspannt. Ist von Anfang an eine Nachjustierung absehbar, empfiehlt sich eine Biblock-Schiene.
Für wen geeignet?
Jeder Schnarcher kann von einer Schnarchschiene profitieren. Bei der Wahl sind jedoch Zahnlücken und Prothesen zu berücksichtigen. Die Schiene setzt den Unterkiefer ständig unter leichte Spannung, die von den Zahnreihen getragen werden muss. Bei vollständigem Gebiss und einer Schiene, die die ganze Zahnreihe bedeckt, ist das in der Regel kein Problem. Zu vermeiden sind Schienen, die nicht bis zu den Backenzähnen reichen und Schneide- und Eckzähne übermässig belasten.
Fehlen einzelne Zähne, ist das kein Hindernis. Fehlen mehrere Zähne pro Zahnreihe, beurteilen wir, ob das Gebiss genügend Halt bietet. Wir verwenden Protrusionsschienen von Somnomed, die auch für Patientinnen und Patienten mit herausnehmbarem Zahnersatz geeignet sind. Bei festsitzenden Implantaten oder Brücken ist eine Schnarchschiene grundsätzlich möglich; wir besprechen das vorgängig mit Ihnen.
Pflege und Haltbarkeit
Reinigen Sie die Schiene nach jedem Gebrauch mit einer Handzahnbürste und kaltem oder lauwarmem Wasser; zu heisses Wasser kann sie verformen. Legen Sie sie mindestens einmal pro Woche etwa 10 Minuten in eine milde Prothesenreinigungslösung – wir beraten Sie gerne. Putzen Sie vor dem Einsetzen gründlich die Zähne, damit unter der Schiene keine Speisereste Karies begünstigen.
Bei sorgfältiger Pflege hält eine Schiene ca. 5 Jahre. Verwenden Sie sie nur, solange keine Schäden erkennbar sind; ist sie durch Knirschen beschädigt oder sitzt sie nicht mehr optimal, fertigen wir eine neue an.
Schnarchen in der Schwangerschaft
Schwangere schnarchen häufig, vor allem gegen Ende der Schwangerschaft: Die Nasenschleimhäute sind stärker durchblutet und schwellen an, Hormone – vor allem Progesteron – lockern das Gewebe im Nasenrachenraum, und Gewichtszunahme sowie Druck im Bauchraum tragen dazu bei. Für Mutter und Kind ist das in der Regel ungefährlich, und meist hört das Schnarchen nach der Geburt ebenso plötzlich auf, wie es begonnen hat.
Vorsicht bei Nasensprays mit Oxymetazolin, Xylometazolin oder Tetryzolin: Sie sollten in der Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen angewendet werden. Sie trocknen aus und führen schnell zu Gewöhnung und höherer Dosierung; hohe Dosen können die Gefässe in der Plazenta verengen und das Ungeborene unterversorgen.
- Kühles Schlafklima mit ausreichender Luftfeuchtigkeit
- Kopf höher lagern oder auf der Seite schlafen
- Nasenpflaster aus der Apotheke
- Nasenspray mit hypertoner Salzlösung, kochsalzhaltiges Gel oder Nasenöle zur Befeuchtung der Schleimhaut
