Wie Bulimie den Zähnen schadet
Die Schäden entstehen vor allem durch Magensäure, die beim Erbrechen in den Mund gelangt. Sie ist wesentlich aggressiver als die Fruchtsäure aus der täglichen Nahrung und wirkt länger, weil der Speichel sie nur langsam neutralisiert. Es kommt zur Zahnerosion: einem schleichenden Verlust von Zahnsubstanz durch wiederholten Säurekontakt.
Etwa 70% der Betroffenen haben Erosionen, vor allem an den Rückseiten der Zähne. Erste Anzeichen können schon nach sechs Monaten sichtbar werden; an Abnutzungen der Frontzahn-Rückseiten erkennen Zahnärzte oft als Erste eine Bulimie. Wichtig ist, professionelle Hilfe für die körperlichen und psychischen Folgen der Essstörung in Anspruch zu nehmen. Weitere Folgen:
- Empfindlichkeit auf Warmes, Kaltes, Saures und Süsses
- Abgerundete Zahnkonturen und Verlust des Kauflächenreliefs
- Dünne, verkürzte und durchscheinende Schneidekanten der Frontzähne
- Sekundärer Tiefbiss
- Zahnfleischentzündungen durch den sinkenden pH-Wert, mit Schmerzen und Zahnfleischrückgang
- Freiliegende, schmerzempfindliche Zahnhälse
- Mundgeruch (Halitosis) durch Magensäure und Nahrungsreste
Einfühlsame Betreuung
Dr. Nina van Sprundel weiss, wie schwer es Betroffenen fällt, über ihre Krankheit zu sprechen. Unser ganzes Team ist sich bewusst, wie sensibel das Thema ist, und sorgt dafür, dass Sie sich während der gesamten Behandlung sicher und verstanden fühlen. Dr. van Sprundel ist Autorin zahlreicher Publikationen zur Bisshebung nach Erosionsschäden, darunter zur Bisshebung durch vollkeramische Rekonstruktion, und verbindet fachliche Kompetenz mit empathischer Betreuung. Für Beratung und Behandlung planen wir immer ausreichend Zeit ein.
Stadien und Diagnose
Normalerweise halten sich De- und Remineralisierung des Zahnschmelzes die Waage. Ist das Gleichgewicht gestört, entstehen Erosionen – zunächst ohne Beschwerden. Erst wenn das Zahnbein (Dentin) freiliegt, folgen Schmerzen und Temperaturempfindlichkeit. Ein Erosionsindex unterscheidet:
Bei Bulimie oder Reflux sind meist die Rückseiten der oberen Schneidezähne betroffen, bei Säure von aussen eher die Vorderseiten. Für die Diagnose untersuchen wir Oberflächen, Formveränderungen und Verfärbungen und fragen nach Ernährung sowie Erkrankungen wie Reflux oder Essstörungen. Fotos und Abdrücke halten das Ausmass fest und machen den Verlauf kontrollierbar.
- Grad 0: keine Erosion, der Schmelz glänzt
- Grad 1: oberflächlicher Schmelzverlust; der Schmelz wirkt matt und glatt, oft unbemerkt
- Grad 2: freiliegendes Dentin auf weniger als der Hälfte der Zahnoberfläche
- Grad 3: freiliegendes Dentin auf mehr als der Hälfte der Zahnoberfläche, oft mit sekundärem Tiefbiss


Was den Schmelzabbau beschleunigt
Häufig saures Obst wie Orangen und Äpfel, Softdrinks, Fruchtsäfte, Sportgetränke und Wein; säurehaltige Medikamente und Vitamin-C-Präparate; Mundtrockenheit, weil der neutralisierende Speichel fehlt; aggressives Putzen mit harten Borsten, starkem Druck oder abrasiver Zahnpasta; nächtliches Zähneknirschen. Bei Essstörungen oder Reflux ist eine medizinische Behandlung wichtig.
Zahnpflege nach dem Erbrechen
Magensäure macht den Schmelz sehr schnell weich – putzen Sie die Zähne deshalb nicht sofort. Warten Sie etwa 30–60 Minuten, bis der Speichel die Säure neutralisiert hat. Vorher unterstützt eine Mundspülung mit Natriumhydrogencarbonat oder ein fluoridhaltiges Mundwasser die Neutralisation.
Wer häufig erbricht, verwendet eine weiche Bürste mit abgerundeten Borsten, putzt mit wenig Druck und ohne Querschrubben, nimmt fluoridhaltige Zahnpasta und einmal pro Woche ein Fluoridgel. Den besten Schutz bietet eine individuell angefertigte Medikamententrägerschiene: Sie wird vor dem Erbrechen eingesetzt, möglichst mit neutralem Fluoridgel, und kann auch nachts getragen werden, um den Schmelz zu stärken. Meiden Sie säurehaltige Lebensmittel und lassen Sie Ihre Zähne regelmässig professionell reinigen und fluoridieren.
Behandlung je nach Stadium
Zuerst gilt es, die Ursache zu beseitigen. Verlorener Schmelz wächst nicht nach; je nach Grad der Zerstörung behandeln wir so:
Ein gesunder Mund und körperliches Wohlbefinden gehören zusammen – kümmern Sie sich um Ihre Zähne ebenso wie um die zugrunde liegenden psychischen Probleme.
- Versiegelung: In frühen Stadien schützt ein spezieller Lack vor weiterem Abbau; er hält etwa sechs bis neun Monate
- Restauration: Unebenheiten füllen wir mit Komposit auf; auch Inlays, Onlays oder Veneers schützen und rekonstruieren die Zähne
- Rekonstruktion: Ist die Kaufunktion beeinträchtigt, stellt Zahnersatz, etwa aus Keramik, Aussehen und Funktion wieder her
- Veneers: hauchdünne, langlebige Keramikschalen, vor allem für die Schneidezähne, für ein natürliches Aussehen
Ablauf einer Bisshebung
Sind die Zähne stark abgenutzt und ist der Biss gestört, kann eine Bisshebung den Biss wiederherstellen. Warten Sie nicht zu lange: Zu kurze Zähne erschweren die Befestigung der Kronen.
Häufig erhalten alle Front- und Seitenzähne des Oberkiefers neue Kronen, bei Bedarf auch der Unterkiefer. Vollkeramischer Zahnersatz ist von natürlichen Zähnen nicht zu unterscheiden und hilft, dass Sie sich wieder wohl in Ihrer Haut fühlen.
- Untersuchung von Zähnen, Kiefer und Kiefergelenken, unter anderem mit digitalem Scanner; die Lösung wählen wir gemeinsam
- Behandlungssimulation im Labor: Ein Wax-up auf Studienmodellen zeigt das Ziel, ein Mock-up aus Kunststoff im Mund das mögliche Ergebnis samt Gesichtsprofil
- Provisorium aus Kunststoff in Form und Farbe der späteren Zähne, das Sie einige Wochen tragen
- Anpassung des Provisoriums und digitale Herstellung der dauerhaften Versorgung aus Keramik
