Was ist Bruxismus?
Beim Bruxismus werden die Zähne wiederholt aufeinandergepresst oder gegeneinander verschoben. Häufige Beschwerden sind Kopf- und Schulterschmerzen, Migräne, Muskelverspannungen oder Schluckbeschwerden; Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Tückisch ist, dass viele Betroffene keine Symptome haben. So wird über Jahre unbemerkt Zahnhartsubstanz abgetragen – mit Karies, ästhetischen Problemen, Verlust an Bisshöhe und Schmerzen durch die Überlastung der Kiefergelenke.
Die meisten Menschen knirschen irgendwann mit den Zähnen, meist vorübergehend unter Stress. Etwa 20 Prozent entwickeln eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Bei Verdacht lohnt sich eine frühe Abklärung: Eine frühzeitige Behandlung lindert Beschwerden und verhindert weitere Funktionsstörungen.
Dr. Nina van Sprundel hat zum Thema publiziert, unter anderem über das dreiflächige Seitenzahnveneer bei Zahnschäden von Bruxismuspatienten und über die radiologische Darstellung des Kiefergelenks.
Ursachen
Die Ursachen sind noch wenig erforscht. Befragungen zeigen aber, dass vor allem Stress im Alltag eine Rolle spielt. Häufig ist auch ein Fehlbiss: Treffen die Zähne nicht gleichzeitig und gleichmässig aufeinander, entstehen Frühkontakte – etwa durch zu hohe Kronen, Füllungen oder Brücken, unversorgte Lücken, schlecht sitzende Prothesen, mangelhaft angepasste Implantate oder kieferorthopädische Fehlstellungen.
- genetische Faktoren, emotionale Anspannung, Angststörungen und Depressionen
- Schlafstörungen, nächtliche Atmungsstörungen, Restless-Legs-Syndrom
- übermässiges Kaugummikauen, falsche Körperhaltung
- Störungen der Botenstoffe im Gehirn, Refluxkrankheit
- viel Alkohol, Koffein oder Drogen; bestimmte Medikamente wie Antidepressiva
Folgen und Diagnose
Bruxismus kann zu empfindlichen Zähnen, Zahnschmerzen bis zur Entzündung des Zahnnervs, abgenutzten Kauflächen, Rissen im Zahnschmelz, gelockerten, verkürzten oder brüchigen Zähnen sowie zu Schäden an Veneers, Kronen und Brücken führen.
Typische Anzeichen sind eine druckempfindliche Kaumuskulatur, Zahnabdrücke in Zunge und Wange, glatt polierte Kauflächen, Absprengungen an Schmelz, Zahnhälsen und Schneidekanten, verkürzte Zähne und Eckzähne ohne Spitzen sowie Zahnfleischrückgang. Wir klären Bruxismus mit einem Gespräch und einer Untersuchung von Zähnen, Zahnhalteapparat, Kaumuskulatur und Biss ab. Eine CMD zeigt sich durch Schmerzen beim Abtasten der Muskulatur und bei Kieferbewegungen, seitliches Abweichen beim Öffnen und eine eingeschränkte Mundöffnung. Hilfreich sind auch elektromyografische Messungen; die wichtigste Methode, um das Ausmass zu beurteilen, ist die Polysomnografie.


Behandlung
Das Knirschen selbst lässt sich nicht heilen, aber deutlich verringern. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, und am wirksamsten ist eine Kombination mehrerer Ansätze.
- Schiene: Die Aufbissschiene (Okklusionsschiene) ist die Standardtherapie. Sie wird über die oberen oder seltener die unteren Zähne gezogen, schützt vor Abrieb und entspannt bei den meisten Betroffenen den Kiefer. Sie sollte konsequent nachts getragen werden; klingen die Beschwerden rasch ab, kann die Therapie nach einigen Wochen enden. Adjustierbare Schienen wie die Michigan-Schiene können den Fehlbiss langfristig korrigieren. Eine Entspannungsschiene bringt den Unterkiefer in eine entspannte Lage, eine Zentrikschiene wirkt gezielt gegen Kiefergelenkprobleme.
- Entspannung: Genug Zeit zum Abschalten, eine ausgeglichene Work-Life-Balance, Entspannungstechniken, Physiotherapie und Bewegung wie Nordic Walking, moderates Joggen, Spaziergänge, Pilates oder Yoga bauen Stress ab.
- Psychotherapie: Sie hilft, psychische Ursachen wie Stress, Angst oder Depression zu erkennen – etwa mit Verhaltenstherapie, Biofeedback, Hypnotherapie oder Entspannungsverfahren wie progressiver Muskelentspannung und Atemübungen.
- Substanzen reduzieren: Medikamente setzen wir nur selten ein. Wirksamer ist es, Schlaf- oder Koffeintabletten, Alkohol, Kaffee, Energydrinks und Schwarztee zu reduzieren.
- Botulinumtoxin: Injektionen in die Kaumuskulatur können bei Bruxismus sinnvoll sein.
Zähne wieder aufbauen
Abgenutzte Zähne lassen sich mit Komposit oder Keramik wieder aufbauen. Vorher analysieren wir die Okklusion, also wie die Zähne beim Schliessen aufeinandertreffen, und gehen die Ursachen des Knirschens an. Eine Bisshebung stellt den normalen Biss wieder her; danach ist eine vollständige ästhetische Wiederherstellung mit Veneers, Kronen und Brücken möglich. Ihr neues Lächeln planen wir vorab digital am Bildschirm.
Knirschen bei Kindern
Viele jüngere Kinder knirschen nachts. Im Milchgebiss ist das nicht ungewöhnlich: Knochen und Muskeln wachsen in Schüben, Zähne stehen zeitweise ungünstig zueinander und werden abgeschliffen. Mit den bleibenden Zähnen sollte das Knirschen aufhören – manchmal schon im vierten Lebensjahr. Passivrauchen ist ein Risikofaktor für Bruxismus bei Kindern.
