Was ist Schlafapnoe?
Mehr als 150’000 Menschen in der Schweiz leiden unter Atemaussetzern im Schlaf. Schnarchen ist nicht nur lästig, es kann auch Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung sein: der obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Eine Apnoe ist definiert als Unterbrechung des Luftflusses für mindestens 10 Sekunden. Betroffene haben manchmal Hunderte solcher Atemaussetzer pro Nacht, oft für eine Minute oder länger.
Im Schlaf entspannen sich alle Muskeln, auch die Zunge. Sie fällt nach hinten und kann den Rachen verengen; ebenso können Zäpfchen und Gaumenbogen zurückfallen. Die Luft muss mit erhöhtem Druck durch die Engstelle, der weiche Gaumen vibriert – das typische Schnarchgeräusch entsteht.
- Übergewicht und ein grosser Halsumfang
- Verengungen im Nasenrachenraum
- Häufiger Alkoholkonsum und Rauchen
- Schlaf- oder Beruhigungsmittel, die das Schnarchen verstärken können
- Männer sind in der Regel häufiger betroffen als Frauen
Symptome und Folgen
Typisch sind lautes Schnarchen und Atemaussetzer. Der Bettpartner bemerkt, dass die Atmung stockt, ohne dass Schnarchgeräusche zu hören sind; danach folgen plötzliche Atemversuche, oft mit Röcheln oder Schnaufen. Manchmal wacht die betroffene Person ganz auf. Der Schlaf ist unterbrochen und nicht erholsam, was zu starker Tagesmüdigkeit führen kann. Der Sauerstoffmangel im Blut ist mit verschiedenen medizinischen Problemen verbunden.
Anzeichen sind starkes Schnarchen, Atemaussetzer, Röcheln und Keuchen im Schlaf, Gedächtnisstörungen, Müdigkeit am Tag und beim Autofahren sowie depressive Verstimmung als Folge des Schlafmangels. Mögliche medizinische Folgen:
- Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch ein höheres Stressniveau des Körpers
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Erektile Dysfunktion
- Erkrankungen der Herzkranzgefässe
Wie die Schiene wirkt
Die Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS) – auch Protrusions-, Schnarch- oder Anti-Schnarch-Schiene, TAP®- oder Narval®-Schiene genannt – ist eine von mehreren Alternativen zur CPAP-Überdruckbeatmung. Viele Patientinnen und Patienten kommen mit der CPAP-Maske und ihren Nebenwirkungen auf Dauer nicht zurecht; man spricht dann von Maskenintoleranz.
Der Name kommt vom lateinischen protrusio, «nach vorne schieben». Über ein Metallgelenk schiebt die Schiene den Unterkiefer leicht nach vorne; Kieferabstand und Kieferstellung lassen sich individuell einstellen. So bleibt der Rachenraum offen, mehr Luft gelangt in die Lunge, das Blut wird ausreichend mit Sauerstoff versorgt und das Zungengrundschnarchen wird verhindert. Die Schiene ähnelt einem Retainer oder einem Sport-Mundschutz, ist nicht invasiv und wird nur nachts getragen.
Die Qualitätsunterschiede bei Schlafschienen sind gross. Sitzt eine Schiene nicht genau, drohen Fehlbelastungen der Zähne, Schmerzen, Zahnverschiebungen und CMD. Wir arbeiten deshalb primär mit Biblock-Schienen von Somnomed, die in unserem Zahnlabor auf Ihre Zahn-, Kiefer- und Kiefergelenksituation abgestimmt werden. Die CMD-Diagnostik mit dreidimensionaler Darstellung der Kieferstellung hilft, die Schiene optimal anzupassen. Schnarchmundstücke und Schnarchspangen sind etwas anderes und eignen sich nicht zur Behandlung der Schlafapnoe.


Vorteile gegenüber CPAP
Die CPAP-Therapie ist wirksam, bringt aber Nachteile mit sich. Bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe und Schnarchen kann die Schienentherapie (Continuous Open Airway Therapy, COAT) eine wirksame Alternative sein:
- Tragekomfort: kleiner und weniger sperrig als eine Maske, besser an die eigene Anatomie angepasst
- Geräuschlos: keine Maschine und keine Luftzufuhr – ruhiger Schlaf auch für den Partner
- Einfache Handhabung ohne Schläuche, Kabel oder Geräte; leicht zu reinigen
- Klein und leicht, ideal für Reisen
- Kein Gefühl der Enge, auch bei Klaustrophobie
- Keine ausgetrockneten oder gereizten Nasenschleimhäute
- Wirksam unabhängig von der Schlafposition; keine Druckstellen im Gesicht, gerade für Bauchschläfer
Ablauf
Ob eine Schienentherapie in Frage kommt, stellt ein Facharzt für schlafbezogene Atmungsstörungen nach sorgfältiger Untersuchung fest und verordnet sie. Wir klären danach die zahnmedizinischen Voraussetzungen: Funktion der Kiefergelenke, Zustand von Zähnen und Zahnhalteapparat, vorhandener Zahnersatz und allfällige Grunderkrankungen. Wir legen die Position des Unterkiefers und das passende Schienenmodell fest.
Wir nehmen Abdrücke und bestimmen anhand von Röntgenaufnahmen die mögliche Kieferposition. Der Zahntechniker fertigt die Schiene aus Kunststoff, wir passen sie im Mund an. Die Vorverlagerung wird so eingestellt, dass sie wirkt, ohne Biss, Zahnstellung oder Kiefergelenke zu verändern. Der Schlafmediziner beurteilt den Therapieerfolg und stimmt nötige Anpassungen mit uns ab. Eine regelmässige Nachsorge bei beiden ist sinnvoll.
Eingewöhnung
Anfangs können vorübergehende Beschwerden auftreten. Die meisten Menschen haben sich innerhalb von drei bis vier Wochen an die Schiene gewöhnt. Bleiben Probleme oder Schmerzen, kann eine Nachjustierung sinnvoll sein.
- Muskelverspannungen im Kiefer, ähnlich einem Muskelkater – Kaugummikauen tagsüber trainiert die Muskulatur
- Fremdkörpergefühl – völlig normal; probieren Sie die Schiene länger als eine Nacht
- Trockener Mund, eventuell mit Husten – ein Glas Wasser neben dem Bett hilft
- Vermehrter Speichelfluss, der nach wenigen Nächten nachlässt
- Zahnfleischschmerzen – ein schmerzlinderndes Gel aus der Apotheke hilft; sie sollten nach wenigen Tagen verschwinden
Pflege, Haltbarkeit und Kosten
Reinigen Sie die Schiene nach jedem Gebrauch mit einer Handzahnbürste und kaltem oder lauwarmem Wasser; zu heisses Wasser kann sie verformen. Legen Sie sie mindestens einmal pro Woche etwa 10 Minuten in eine milde Prothesenreinigungslösung – wir beraten Sie gerne zur Wahl. Putzen Sie vor dem Einsetzen gründlich die Zähne, sonst begünstigen Speisereste unter der Schiene Karies.
Bei sorgfältiger Pflege hält eine Schiene ca. 5 Jahre. Verwenden Sie sie nur, solange keine Schäden erkennbar sind; ist sie durch Knirschen beschädigt oder sitzt sie nicht mehr optimal, fertigen wir eine neue an.
Die Schlafapnoe-Schiene wird von der Krankenkasse vollumfänglich übernommen. Da keine Ersatzteile oder Filter nötig sind, sind die langfristigen Kosten niedriger als bei CPAP.
Häufige Fragen
Ist ein Schnarch-Mundstück dasselbe wie eine Schnarchschiene?
Nein. Das Mundstück (Mundvorhofplatte) liegt lose zwischen Lippen und Zähnen, hält den Mund geschlossen und fördert die Nasenatmung. Es behandelt nur Mundschnarchen, nicht Zungengrundschnarchen oder Schlafapnoe. Die Schnarchschiene verlagert dagegen den Unterkiefer nach vorne.
