Wie es zur Entzündung kommt
Breitet sich Karies lange ungestört aus, erreicht sie früher oder später das Zahninnere. Jede Zahnwurzel hat einen oder mehrere Wurzelkanäle mit der Pulpa, einem lebendigen Gewebe aus Blut- und Lymphgefässen und Nerven. Eindringende Bakterien lassen die Pulpa entzünden und anschwellen; das reizt den Zahnnerv und verursacht meist erhebliche Schmerzen.
Innerhalb von Stunden oder Tagen kann sich die Entzündung bis in den Kiefer ausbreiten – mit der bekannten «dicken Backe» – und auf Nachbarzähne übergreifen. Bei pulsierenden oder pochenden Schmerzen im Kiefer- oder Kopfbereich oder bei Schmerzen beim Kauen sollten Sie deshalb rasch zu uns kommen.
Wann ist sie nötig?
Der häufigste Grund ist eine Entzündung bis ins Zahninnere (Pulpitis). Ist das Gewebe von Bakterien befallen, ist die Wurzelbehandlung meist die einzige Möglichkeit, den Zahn zu erhalten. Auch abgestorbene Zähne lassen sich oft noch retten. Bei einer akuten Entzündung kann zuerst eine antibiotische Behandlung nötig sein.
- Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis)
- Zahnfraktur
- Vor dem Anbringen von Zahnersatz
- Unvollständige alte Wurzelfüllung
- Entzündung an der Wurzelspitze
- Infizierte Füllungen, Kronen oder Inlays, unter denen Bakterien ins Zahnmark gelangt sind
Ablauf
Ziel ist, das infizierte Zahnmark mit Gefässen und Nerven zu entfernen und den Zahn von Bakterien zu befreien. Wie lange das dauert, hängt vom Ausmass der Entzündung, von Anzahl und Form der Wurzeln und von der Lage des Zahns ab.
- Röntgenbild: zeigt Anzahl der Wurzeln und Fortschritt der Entzündung
- Betäubung: Der Zahn wird lokal betäubt; ist er bereits tot, geht es selten auch ohne
- Kofferdam: Ein Gummituch aus Latex oder Silikon isoliert den Zahn, damit weder Speichel noch Bakterien eindringen und keine Instrumente oder Spülmittel verschluckt werden
- Zugang: über eine kleine Öffnung in der Kaufläche zu den Wurzelkanälen
- Vermessung: Messnadeln oder elektrische Messsonden bestimmen die Kanallänge
- Aufbereitung: Spezialinstrumente erweitern die feinen Kanäle und entfernen entzündetes Gewebe und Bakterien
- Desinfektion: verschiedene Spülflüssigkeiten töten Keime ab
- Wurzelfüllung: Die Kanäle werden mit speziellem Material versiegelt, die Öffnung mit einer dichten Kunststofffüllung verschlossen, wenn nötig mit einem Wurzelstift stabilisiert
- Krone: meist zum Schluss, für Stabilität und Dichtigkeit


Schmerzen und mögliche Komplikationen
Dank moderner Lokalanästhetika ist eine Wurzelbehandlung heute nicht mehr schmerzhaft. Selten verhindert stark infiziertes Gewebe die Wirkung der Betäubung; dann verordnen wir zunächst ein Antibiotikum und behandeln danach. Leichte Schmerzen nach Abklingen der Betäubung lassen sich mit Schmerzmitteln lindern und verschwinden meist innert weniger Tage.
Wie jede Behandlung kann auch diese Komplikationen haben:
- Beschwerden am Zahn während oder nach der Behandlung, die meist von selbst abklingen
- Unvollständige Reinigung bei gekrümmten oder stark verzweigten Kanälen – dann kann eine Revision oder eine Wurzelspitzenresektion nötig werden
- Abgebrochene Instrumente in sehr engen oder gekrümmten Wurzeln, die mit Spezialinstrumenten oder operativ entfernt werden
- Seitliche Durchbohrung der Zahnwand bei ungeeigneter Technik oder zu grossen, starren Instrumenten
- Überfüllung des Kanals, die im Oberkiefer die Kieferhöhle, im Unterkiefer die Nerven reizen kann; kleine Überschüsse baut der Körper oft selbst ab, grössere werden operativ entfernt
Wurzelbehandlung, Wurzelspitzenresektion oder Zahn ziehen?
Die Wurzelbehandlung ist die weniger invasive Standardbehandlung: Sie behebt die Entzündung von innen. Bleiben Bakterien zurück, kann sich jedoch erneut eine Entzündung bilden. Die Wurzelspitzenresektion (WSR) ist ein chirurgischer Eingriff: Zahnfleisch und Kieferknochen werden geöffnet, die entzündete Wurzelspitze entfernt und der Kanal bakteriendicht verschlossen. Sie entfernt das betroffene Gewebe rasch und wirksam, die Heilung kann aber länger dauern. Wir bieten die konventionelle und die mikrochirurgische WSR an.
Beide Verfahren lassen sich am selben Zahn kombinieren – etwa wenn eine erste Wurzelbehandlung nicht erfolgreich war oder gekrümmte Wurzeln und verzweigte Kanäle Bereiche unerreichbar machen. Ob ein Zahn behandelt oder gezogen und durch ein Implantat ersetzt wird, hängt von der Anatomie des Kiefers, der Zugänglichkeit der Kanäle und früheren Behandlungen ab. Wir setzen uns dafür ein, erhaltenswerte natürliche Zähne zu behandeln und aufwendige, teure Lösungen wie Brücken oder Implantate zu vermeiden.
Unser Team
Unser Team unter der Leitung von Dr. Nina van Sprundel ist auf Wurzelbehandlungen spezialisiert und setzt moderne Technik für eine schonende, angenehme Behandlung ein. Dr. van Sprundel hat zum Thema «Die postendodontische Erkrankung und die Bedeutung der Digitalen Volumentomografie» publiziert. Mit regelmässigen Fortbildungen bleiben wir auf dem neuesten Stand und nehmen uns Zeit für Ihre Bedürfnisse.
